C60 & C60E — unlegierte, härtbare Qualitätsstähle für hochbeanspruchte Maschinenbauteile


Einordnung & Norm‑/Zertifikationskontext

C60 (Werkstoff-Nr. 1.0601) und C60E (Werkstoff-Nr. 1.1221) gehören zur Gruppe derunlegierten Vergütungsstähle gemäß EN 10083‑2 undISO 683‑1. Beide Stähle zeichnen sich durch einen erhöhten Kohlenstoffgehalt im Bereich von 0.57–0.65%C aus und bieten dadurch eine hohe Härtbarkeit sowie hervorragende Festigkeit nach geeigneter Wärmebehandlung. Während C60 eine technisch weit verbreitete Standardgüte darstellt, ist C60E die eng spezifizierte, reinere Variante mit reduzierten Schwefel‑ und Phosphorgehalten und damit verbesserten Umform- und Bearbeitungseigenschaften.

C60/C60E werden in unterschiedlichen Lieferzuständen angeboten:

  • +A weichgeglüht
  • +N normalisiert
  • +C / +CR kaltgezogen / kaltgewalzt
  • +QT vergütet

Normbezüge:

  • EN 10083‑2 für vergütbare unlegierte Stähle
  • EN 10277‑2 / EN 10277‑5 für Blankstahl
  • ISO 683‑1 für Vergütungsstähle

     
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Chemische & mechanische Richtwerte

Beide Güten besitzen nahezu identische chemische Grundwerte, doch C60E unterliegt engeren Reinheitstoleranzen. Der Kohlenstoffgehalt liegt stets bei 0.57–0.65 %, wodurch hohe Härten und Festigkeiten nach dem Härten und Anlassen möglich sind. Silizium beträgt ≤ 0.4 %, Mangan liegt zwischen0.60–0.90 %. Phosphor und Schwefel sind bei C60 auf ≤ 0.045 % begrenzt, bei C60E jedoch auf ≤ 0.030 % (P) und ≤ 0.035 % (S) reduziert, was die Homogenität verbessert.

 

Mechanisch bietet C60/C60E ein breites Eigenschaftsspektrum. Im normalisierten Zustand erreichen beide Güten Zugfestigkeiten von 650–710 MPa, die Streckgrenze liegt zwischen 310–380 MPa, abhängig von Dicke/Abmessung. In vergütetem Zustand erreichen die Stähle 750–1000 MPa Zugfestigkeit, bei Streckgrenzen bis 580 MPa (C60E und C60).

Hersteller & Marken

C60 und C60E werden von führenden Stahlherstellern weltweit produziert, darunter:

  • Dillinger Hütte – hochwertige Stähle und vergütete Qualitäten
  • Swiss Steel Group / Steeltec – C60E/C60R, hochwertig entkohlungsarm
  • Lucefin Group – Präzisionsblankstähle nach EN 10277‑5
  • AUSA, Waldun Steel, voestalpine, Celsa – Schmiede- und Walzprodukte

Die Unterschiede liegen vor allem in:

  • Reinheitsgrad und Entkohlungstiefe
  • Toleranzen, Ebenheit, Maßhaltigkeit
  • Qualität der Wärmebehandlungsempfehlungen

Anwendungen

Dank ihres hohen Kohlenstoffgehalts und ihrer hohen erreichbaren Festigkeit sind C60/C60E klassische Stähle für den Maschinenbau und Fahrzeugbau. Sie werden überall dort eingesetzt, wo hohe Oberflächenhärte, Druckfestigkeit, Verschleißresistenz und dynamische Belastbarkeit gefordert sind.

Typische Einsatzbereiche:

Maschinenbau & Antriebstechnik

Wellen, Achsen, Bolzen, Zahnräder, Kupplungsteile, Führungsleisten, Präzisionsflachstähle, Exzenter, Spannmechanismen.

 

Werkzeugbau & Federntechnik

Flach- und Schraubendruckfedern, Hämmer, Meißel, Schneidwerkzeuge, Federringe, Stanzteile, Sägeblätter.

Land‑ & Forsttechnik

Messerklingen, Schlegel, Verschleißkanten, gehärtete Spezialwerkzeugteile.

Dynamisch beanspruchte Bauteile

Bauteile mit hohem Biegewechsel, stoßartige Belastung oder Reibkontakt profitieren von der erreichbaren Härte und Verschleißbeständigkeit.

C60E wird bevorzugt gewählt, wenn Bauteile  eng toleriert, kalt umgeformt oder präzisionsgewalzt werden sollen, z. B. Pressformteile oder Bauteile mit hoher Dauerwechselbelastung.

Verarbeitung & Wärmebehandlung

Schweißen:
C60/C60E sind aufgrund des hohen Kohlenstoffgehalts schweißtechnisch ungünstig. Schweißen wird nur in Ausnahmefällen angewendet; Rissgefahr!

 

Wärmebehandlung (typische Bereiche):

  • Normalisieren: 820–860 °C → Luftkühlung
  • Härten: 800–850 °C → Wasser/Öl
  • Anlassen: 550–660 °C → Luftkühlung

     

Zerspanung:
Gut zerspanbar im weichgeglühten Zustand; gehärtet nur schleifbar.

Umformung:
Warmumformung 1100–800 °C; kalt nur sehr eingeschränkt möglich.
C60E besitzt bessere Staucheignung dank niedrigerer P/S-Werte.

Produktauswahl — Kurzberatung

  • C60 = wirtschaftliche Standardgüte für alle hochbeanspruchten Teile, bei denen keine extrem enge Reinheit gefordert ist.
  • C60E = hochwertige, reinere, umformfreundlichere Variante, ideal für präzise wärmebehandelte Bauteile sowie Serienfertigung.
  • Schweißvorgänge vermeiden → Alternativen wären C45 oder niedriglegierte Vergütungsstähle.
  • Für höhere Festigkeiten → 42CrMo4, 34CrNiMo6.

Lagerprogramm & Lieferformate

Dicken: 2–120 mm, Breiten: bis 3.000 mm, Längen: bis 12.000 mm. 

Auch in Zwischendicken verfügbar. Sonderabmessungen auf Anfrage. 

Häufige Fragen (FAQ)

Was unterscheidet C60 von C60E?

C60E hat engere Reinheitslimits (geringeres P/S), dadurch bessere Kaltumformbarkeit und homogenere Eigenschaften.


Wie hoch können Festigkeiten werden?

Vergütet 750–1000 MPa; normalisiert ca. 650–710 MPa.


Kann man C60/C60E schweißen?

Nur sehr eingeschränkt – Rissgefahr durch hohen C‑Gehalt.


Welche Bauteile werden daraus gefertigt?

Wellen, Achsen, Zahnräder, Federn, Messer, Werkzeuge, Press- und Stauchbauteile.

Technische Vergleichstabellen — C60 / C60E

ElementC60C60E
C0.57–0.65 %0.57–0.65 %
Si≤ 0.40 %0.10–0.40 %
Mn0.60–0.90 %0.60–0.90 %
P≤ 0.045 %≤ 0.030 %
S≤ 0.045 %≤ 0.035 %
Cr≤ 0.40 %≤ 0.40 %
Ni≤ 0.40 %≤ 0.40 %
Mo≤ 0.10 %≤ 0.10 %
ReinheitStandarderhöht (geringere P/S Werte)
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Mechanische Eigenschaften – normalisiert (+N)

GüteDickeRe (MPa)Rm (MPa)A (%)
C60≤ 16 mm≥ 380≥ 710≥ 10
C60E≤ 16 mm≥ 380≥ 710≥ 10
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Mechanische Eigenschaften – vergütet (+QT)

GüteDickeRe (MPa)Rm (MPa)A (%)
C60≤ 16 mm≥ 580850–1000≥ 11
C60E≤ 16 mm≥ 580850–1000
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