10CrMo9‑10 — hochtemperaturbeständiger Chrom-Molybdänstahl für extrem belastete Druckbehälter


1) Einordnung & Norm‑/Zertifikationskontext

10CrMo9‑10 (Werkstoffnummer 1.7380) ist ein hochwarmfester, niedriglegierter Cr‑Mo-Stahl nach EN 10028‑2, entwickelt für höchste thermische und mechanische Beanspruchungen. Durch seinen erhöhten Chromgehalt (2.00–2.50 %) und Molybdängehalt (0.90–1.10 %) bietet er eine deutlich verbesserte Kriechbeständigkeit, Oxidationsfestigkeit und Druckbeständigkeit gegenüber 13CrMo4‑5.

Das Material wird vorwiegend in Kraftwerken, petrochemischen Großanlagen und Druckrohrsystemen mit Dauertemperaturen bis ~650 °C eingesetzt. Anlasstemperatur bis 740°C.

Sie werden üblicherweise mit APZ 3.2 (TÜV) geliefert.

Relevante Normen:

  • EN 10028‑2 – Flachprodukte aus warmfesten Stählen
  • EN 10216‑2 – Nahtlose Rohre aus warmfesten Stählen
  • EN 10253‑2 – Rohrformteile
  • EN 10273 – Stabstähle für Druckzwecke

Internationale Äquivalente umfassen ASTM A387 Gr.22, ASME P22, DIN 10CrMo910.

2) Chemische & mechanische Richtwerte

Die chemische Zusammensetzung ist für extreme Temperaturen optimiert:
Der Kohlenstoffgehalt liegt bei 0.08–0.14 %, Silizium ≤ 0.50 %, Mangan 0.40–0.80 %, Phosphor ≤ 0.020 %, Schwefel ≤ 0.010 %. Die warmfestigkeitsbestimmenden Elemente liegen bei Chrom 2.00–2.50 % und Molybdän 0.90–1.10 %.

 

Mechanisch erreicht 10CrMo9‑10 im normalisiert und angelassenen Zustand (N+T) Streckgrenzen von 250–310 MPa, je nach Dicke. Die Zugfestigkeit liegt zwischen 450–630 MPa, die Bruchdehnung bei ca. 17–22 %. Die Kerbschlagarbeit beträgt ≥ 27–31 J bei +20 °C (quer bzw. längs).

 

Der hohe Cr‑Mo‑Gehalt ermöglicht einen dauerhaften Einsatz bei Temperaturen, die weit über der Leistungsfähigkeit von 13CrMo4‑5 liegen.

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3) Hersteller & Marken

10CrMo9‑10 wird weltweit in großem Umfang produziert:

  • Ilsenburger Grobblech, Dillinger Hütte, voestalpine, ArcelorMittal, SSAB

Die Hersteller bieten Bleche, Rohre, Schmiedeteile, Rohlinge und Profile mit unterschiedlichsten Spezifikationen an, häufig mit erweiterten Prüfoptionen für Hochtemperaturanwendungen (HIC, NACE, UT, 3.2-Zertifizierung).

4) Anwendungen — ausführlich nach Branchen

10CrMo9‑10 ist ein Kernwerkstoff für Hochtemperaturanlagen mit extremen Drücken und thermischen Zyklen:

Kraftwerks- und Energieerzeugung

  • Superheater- und Reheater-Systeme
  • Hochdruck-Dampfleitungen
  • Druckrohrsysteme in GuD‑Anlagen
  • Wärmetauscher für überhitzte Medien

Petrochemie & Raffinerien

  • Cracköfen und Reformer
  • Reaktionsbehälter und Prozessgaskomponenten
  • Hochtemperatur-Heißölleitungen

Chemische Industrie

  • Anlagen mit hochkorrosiven und heißen Medien
  • Druckbehälter in thermisch zyklischen Prozessen

Dank seines hohen Cr‑Mo-Gehalts bietet 10CrMo9‑10 exzellente Beständigkeit gegen Oxidation, Stickoxidationsprozesse, Schwefelkorrosion und extrem hohe Dauertemperaturen.

5) Verarbeitung & Schweißen

Die Verarbeitung von 10CrMo9‑10 erfordert präzise Temperaturkontrolle:

Schweißen

  • Vorwärmung: 200–250 °C (dickenabhängig)
  • Zwischenlagentemperatur streng begrenzen
  • Zusatzwerkstoffe: hydrogenarme Typen (z. B. E9018‑B3)
  • PWHT zwingend nach EN 10028‑2 / EN 13445
    – typisches Spannungsarmglühen bei ca. 700 °C

Warmumformung

  • optimal bei 900–1200 °C
  • langsame Abkühlung zur Vermeidung von Härtezonen

Wärmebehandlung

  • Normalisieren + Anlassen (NT) oder
  • Vergüten (QT) für höhere Festigkeiten

Der Werkstoff reagiert empfindlich auf zu hohe Abkühlgeschwindigkeiten – kontrolliertes Abkühlen ist daher Pflicht.

6) Produktauswahl — Kurzberatung

10CrMo9‑10 ist die optimale Wahl, wenn:

  • Temperaturen > 550 °C bis 650 °C auftreten
  • Bauteile unter hoher Dauerbelastung stehen (Kriechfestigkeit entscheidend)
  • extreme Druckverhältnisse und thermische Wechsellasten kombiniert auftreten
  • ein langlebiger, hochwarmfester und kriechbeständiger Cr‑Mo-Stahl benötigt wird

Für etwas niedrigere Temperaturbereiche (350–550 °C):
→ 13CrMo4‑5 als wirtschaftlichere Alternative

Lagerprogramm & Lieferformate

Dicken: 4–120 mm, Breiten: bis 3.000 mm, Längen: bis 12.000 mm.

Auch in Zwischendicken verfügbar. Sonderabmessungen auf Anfrage. 

FAQ

Wie unterscheidet sich 10CrMo9‑10 von 13CrMo4‑5?

10CrMo9‑10 besitzt deutlich höhere Cr‑ und Mo‑Gehalte, daher bessere Kriechbeständigkeit & höhere Einsatztemperatur.


Welche maximale Temperatur ist zulässig?

Typischbis ca. 650 °C, abhängig von Norm, Dicke & Einsatzdauer.


Ist 10CrMo9‑10 schweißbar?

Ja – mit Vorwärmung + zwingender PWHT, um Härtezonen und Kaltrisse zu verhindern.

Technische Vergleichstabellen – 10CrMo9‑10

Chemische Zusammensetzung (EN 10028‑2)

ElementGehalt (%)
C0.08–0.14
Si≤ 0.50
Mn0.40–0.80
P≤ 0.020
S≤ 0.010
Cr2.00–2.50
Mo0.90–1.10
Cu≤ 0.30
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Mechanische Eigenschaften (NT/QT)

Dicke (mm)Re min (MPa)Rm (MPa)A (%)KV @ +20 °C
≤ 16≥ 310480–630≥ 18≥ 31 (quer) / ≥ 40 (längs)
16–40≥ 300480–630≥ 18≥ 31
40–60≥ 290480–630≥ 17≥ 27
60–100≥ 280470–620≥ 17≥ 27
100–150≥ 260460–610≥ 17≥ 27
150–250≥ 250450–600≥ 17
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