16Mo3 — molybdänlegierter Stahl für Druckbehälter und Hochtemperaturanwendungen
1) Einordnung & Norm‑/Zertifikationskontext
16Mo3 (Werkstoffnummer 1.5415) ist ein molybdänlegierter warmfester Druckbehälterstahl nach EN 10028‑2, ausgelegt für Bauteile, die bei erhöhten Temperaturen und mittleren Drücken betrieben werden. Der Molybdängehalt (0.25–0.35 %) verleiht dem Stahl einedeutlich erhöhte Warmfestigkeit und Kriechbeständigkeit, weshalb er bevorzugt in Kesselanlagen, Energieerzeugern und petrochemischen Anlagen eingesetzt wird.
Dieser Werkstoff wird im Zustand normalisiert (+N) oder auch vergütet (+QT) geliefert und ist Bestandteil zahlreicher internationaler Zulassungen. Er besitzt zahlreiche technische Äquivalente, darunter DIN 15Mo3, ASTM A204 Grade A/B, JIS STBA12 und BS 1501‑243B.
Relevante Normen:
- EN 10028‑2 – Druckbehälterstähle für erhöhte Temperaturen
- EN 10216‑2 / EN 10217‑2 – Rohre aus warmfesten Stählen
- EN 10273 – Stabstähle für Druckbehälter
- ISO 9328‑2 – Warmfeste Flachstähle für Druckzwecke
2) Chemische & mechanische Richtwerte
Chemisch besitzt 16Mo3 einen Kohlenstoffgehalt von0.12–0.20 %, Mangan 0.40–0.90 %, Silizium ≤ 0.35 %, Phosphor ≤ 0.025 % und Schwefel ≤ 0.010 %. Molybdän liegt zwischen 0.25–0.35 %, was entscheidend zur Warmfestigkeit beiträgt. Chrom ist bis 0.30 % erlaubt.
Mechanisch erreicht 16Mo3 im normalisierten Zustand eine Mindeststreckgrenze von275 MPa (≤ 16 mm), abnehmend bis 210 MPa bei Dicken bis 250 mm. Die Zugfestigkeit liegt zwischen 440–590 MPa. Die Bruchdehnung beträgt typischerweise 22–24 %, abhängig von Dicke und Prüfrichtung. Die Kerbschlagarbeit beträgt ≥ 27 Jbei +20 °C (quer) und kann längs sogar Werte bis ~50 J erreichen.
Diese Eigenschaften machen 16Mo3 zu einem äußerst verlässlichen Werkstoff für thermisch belastete Druckbehälter.
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3) Hersteller & Marken
16Mo3 wird global von führenden Herstellern geliefert:
- Ilsenburger Grobblech, breites Abmessungsspektrum
- Dillinger, voestalpine, Thyssenkrupp, NLMK – großformatige Bleche
- SSAB, Salzgitter, Outokumpu – Flachprodukte
- ArcelorMittal – Warmfeste Profile (IPE/HE/UPN) und Bleche
Die Hersteller bieten unterschiedliche Abmessungsprogramme, Walzzustände sowie Prüfumfänge (HIC, NACE, UT, 3.2-Abnahmen).
4) Anwendungen — ausführlich nach Branchen
16Mo3 ist einer der weltweit wichtigsten warmfesten Kessel- und Druckbehälterstähle. Seine Kombination aus Temperaturbeständigkeit, guter Schweißbarkeit und Kriechfestigkeit macht ihn zum Standard in:
Kessel- und Kraftwerksbau
- Dampfkessel, Überhitzer, Sammler, Druckkammern
- Hochtemperaturleitungen, Speisewasserleitungen
Chemische & petrochemische Industrie
- Reaktorbehälter, Wärmetauscher, Spaltöfen
- Anlagen für thermische Prozesse, Heißgasleitungen
Prozessindustrie & Energie
- Biomassekessel, Müllverbrennungsanlagen
- Rohrschlangen, Heißölsysteme, Heizkesselkomponenten
Im Gegensatz zu niedrig legierten Güten wie P295GH eignet sich 16Mo3 auch für Anwendungen, bei denen längere Zeit hohe Oberflächentemperaturen bis ~500 °C auftreten.
5) Verarbeitung & Schweißen
16Mo3 gilt als gut schweißbar, benötigt jedoch im Gegensatz zu unlegierten Güten eine kontrollierte Wärmezufuhr:
Schweißen:
- Vorwärmung meist 150–200 °C, abhängig von Dicke
- Wasserstoffarme Zusatzwerkstoffe empfohlen (z. B. E7018‑Varianten)
- Bei dicken Querschnitten: PWHT erforderlich (z. B. 650–700 °C) zur Spannungsreduzierung
Umformung & Warmbearbeitung:
- Warmumformung bei ca. 900–1100 °C
- Gute Warmumformbarkeit durch Molybdänanteil
- Kaltes Biegen möglich, bei geringeren Radien jedoch vorzuwärmen
Wärmebehandlung:
- Normalisieren: 890–950 °C
- Anlass-/Spannungsarmglühen: 650–700 °C
Die Verarbeitung folgt weitgehend den Grundsätzen für Cr‑Mo‑haltige warmfeste Druckbehälterstähle.
6) Produktauswahl — Kurzberatung
16Mo3 ist ideal, wenn:
- höhere Einsatztemperaturen als bei P235GH/P265GH/P295GH verlangt werden
- Kriechbeständigkeit und Warmfestigkeit gefordert sind
- Bauteile unter zyklischer thermischer Last betrieben werden
- eine wirtschaftliche Alternative zu höher legierten Güten gesucht wird
Für Temperaturen >500 °C oder in stark korrosive Medien können zusätzliche Güten verwendet werden:
→ 13CrMo4‑5 (Cr‑Mo‑Stahl mit höherer Warmfestigkeit)
→ 10CrMo9‑10 (für extreme Bedingungen, hohe Drücke & Temperaturen)
Lagerprogramm & Lieferformate
Dicken: 1–320 mm, Breiten: bis 3.000 mm, Längen: bis 12.000 mm.
Auch in Zwischendicken verfügbar. Sonderabmessungen auf Anfrage.
FAQ
Wie hoch liegt der Temperatureinsatzbereich von 16Mo3?
Typisch bis ~500 °C, abhängig von Norm, Wanddicke und Druck.
Ist 16Mo3 schweißgeeignet?
Ja – mit Vorwärmung und ggf. PWHT, da Mo den Werkstoff härtet.
Wichtiger Unterschied zu P295GH?
P295GH = unlegiert → geringere Warmfestigkeit.
16Mo3 = Mo‑legiert → deutlich bessere Temperaturbeständigkeit.
Technische Vergleichstabellen – 16Mo3
Chemische Zusammensetzung (EN 10028‑2)
| Element | Gehalt (%) |
| C | 0.12–0.20 |
| Si | ≤ 0.35 |
| Mn | 0.40–0.90 |
| P | ≤ 0.025 |
| S | ≤ 0.010 |
| Cr | ≤ 0.30 |
| Mo | 0.25–0.35 |
| Cu | ≤ 0.30 |
| N | ≤ 0.012 |
Mechanische Eigenschaften (normalisiert +N)
| Dicke (mm) | Re min (MPa) | Rm (MPa) | A (%) | KV @ +20 °C |
| ≤ 16 | 275 | 440–590 | ≥ 22 | ≥ 27 |
| 16–40 | 270 | 440–590 | ≥ 22 | ≥ 27 |
| 40–60 | 260 | 440–590 | ≥ 22 | ≥ 27 |
| 60–100 | 240 | 430–560 | ≥ 22 | ≥ 27 |
| 100–150 | 220 | 420–570 | ≥ 22 | ≥ 27 |
| 150–250 | 210 | 410–570 | ≥ 22 |

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