DBS‑Bleche nach DBS 918 002‑02 – Werkstoffe für den Eisenbahnbrückenbau


1) Was regelt die DBS 918 002‑02?

Die DBS 918 002‑02 („Technische Lieferbedingungen für warmgewalzte Erzeugnisse aus Baustählen für den Eisenbahnbrückenbau“) definiert zusätzliche Qualitätsanforderungen über EN‑Normen hinaus für Bleche, Profile etc. im Geltungsbereich des DB‑Regelwerks (z. B. Richtlinie 804) – u. a. Zähigkeitsklassen, Prüfungen (UT), Z‑Güten und Herstellerqualifikation (HPQ). Die inhaftierte 2022‑Fassung wurde zum 01.07.2022 in Kraft gesetzt; die neue Ausgabe vom 01.12.2025 ersetzt sie mit Übergangsregeln.

Wesentliche Unterschiede/Anforderungen (aus DB‑Kommunikation und Herstellerinfos):

  • JR‑Güten ausgeschlossen (J0/J2 bzw. N/NL oder M/ML gefordert).
  • Herstellerbezogene Produktqualifikation (HPQ) nach DBS 918 002‑02 ist Pflicht für Vormaterial/Walzprodukte; es dürfen nur HPQ‑gelistete Werke liefern.
  • Ultraschallprüfung nach EN 10160 durch den Hersteller S3/E4.
  • Z‑Güte (Z35) EN10164 zur Sicherstellung der Eigenspannungs-/Dickenquerschnittseigenschaften, insbesondere bei größeren Dicken (Regelungen u. a. in DBS 918 002‑02:2025).
  • Aufschweißbiegeversuch nach SEP 1390 für S355J2+N > =30 mm.
  • 3.2‑Zeugnisse (unabhängige Abnahme) sind bei Bauwerken nach ZTV‑ING zusätzlich gefordert; im DB‑Brückenbau wird die DBS angewandt.
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2) Normenbezug & Dokumente

  • EN 10025‑2/-3/-4/-5 (warmgewalzte Baustähle; u. a. S235/S355‑Familie, NL für tiefe Temperaturen): konkrete Werte für Chemie, Streckgrenzen, Zugfestigkeit; J‑Klassen definieren Kerbschlagarbeit (JR/J0/J2).
  • EN 10160 (UT‑Prüfung), EN 10164 (Z‑Richtungen, z. B. Z35), EN 10204 (3.1/3.2‑Abnahme), EN 10029/10051 (Toleranzen), EN 10163‑2 (Oberflächen).
  • HPQ (Herstellerbezogene Produktqualifikation) – DB‑Antrags-/Auditprozess, Werksbescheide
  • Beispiele: Ilsenburger Grobblech/voestalpine/VÍTKOVICE/Trametal/Dillinger Hütte/SSAB; gültige Zeiträume ersichtlich.

3) Güten im Fokus

Hinweis zu S235JR+N: „JR“ ist in der aktuellen DBS 918 002‑02 nicht mehr zulässig; S235J2+N / S235J0+N sind die kompatiblen Alternativen. S235JR+N ist nur projekt-/ausgabenspezifisch (Altprojekte/Übergangsregel) einsetzbar.

3.1 S235JR+N (nur für Alt-/Übergangsfälle; Empfehlung: S235J2+N)

  • EN‑Eigenschaften: ReH ≥ 235 MPa (≤16 mm), Rm ~ 360–510 MPa; KV ≥ 27 J bei +20 °C (JR). Chemie typ. C ≤ 0,17 %, Mn ≤ 1,40 %, P/S ≤ 0,035 %.
  • Lieferzustand: +N (normalgeglüht/normalisiert gewalzt).
  • DBS‑Eignung: In neuster Ausgabe ausgeschlossen → nur ersetzen durch J0/J2 in Neubestellungen.

3.2 S355J2+N

  • EN‑Eigenschaften: ReH ≥ 355 MPa (≤16 mm), Rm ~ 470–630 MPa; KV ≥ 27 J bei –20 °C (J2). Chemie (typ.) C ≤ 0,20 %, Mn ≤ 1,60 %, P/S ≤ 0,025 %.
  • DBS‑Spezifika:
    • Aufschweißbiegeversuch (SEP 1390) gefordert > 30 mm (oder alternative zähigkeits­gesteigerte Güten, z. B. S355N/NL und M/ML).
    • Werkseitige Ultraschallprüfung an Haupttragteilen ab 10 mm.
    • Prüfumfang jede Tafel/Coil.

3.3 S355JC+N

  • „C“ = besssere Kaltumformbarkeit (Abkanten/Rollen), basierend auf EN 10025‑2‑Variante S355J2C+N. Chemie/Mechanik analog S355J2+N, KV –20 °C ≥ 27 J.
  • Einsatz: Bauteile mit definierten Biegeradien (z. B. Steifen, Konsolen, Zargen).

3.4 S355NL (EN 10025‑3)

  • Feinkornstahl, +N; KV –50 °C ≥ 27 J; ReH ≥ 355 MPa (≤16 mm), hohe Tieftemperaturzähigkeit. Typische Chemie: C ≤ 0,18 %, Mn ~ 0,9–1,65 %, P ≤ 0,025 %, S ≤ 0,015 %.
  • DBS‑Rolle: In älteren DBS‑Ausgaben Dickenfreigaben > 100 mm unter Zusatzanforderungen (u. a. Z35, UT‑Stufen, Probenlagen). Neue Ausgabe folgt dem hohen Zähigkeits‑/Prüf­anspruch.

3.5 S460NL (EN 10025‑3)

  • Feinkornstahl, ReH ≥ 460 MPa (≤16 mm), KV –50 °C ≥ 27 J, Rm ~ 540–720 MPa (dickenabhängig); Chemie‑Grenzen z. B. C ≤ 0,20 %, Mn 1,00–1,70 %.
  • DBS‑Hinweise: HPQ‑Pflicht; CEV steigt mit Dicke (Schweiß­eignung beachten).

4) Zeugnistypen & Herstellerqualifikation

  • Abnahmeprüfzeugnis EN 10204: 3.1 (Standard), 3.2 (unabhängige Prüfstelle – häufig bei ZTV‑ING oder projektbezogen).
  • HPQ nach DBS 918 002‑02 für Vormaterial/Walzprodukte (Antragsdokumente & Auditprozess über das DB‑Lieferantenportal). Konkrete HPQ‑Urkunden existieren für zahlreiche Werke (z. B. Ilsenburger Grobblech, Salzgitter Flachstahl, voestalpine, Dillinger Hütte).

5) Chemische & mechanische Kenndaten (Kurzüberblick)

(Angaben gemäß EN‑Datenblättern; projekt-/dickenabhängig zu konkretisieren; DBS kann engere Grenzen/Prüflasten fordern.)

  • S235J2+N: C ≤ 0,17 %, Mn ≤ 1,40 %; ReH ≥ 235 MPa (≤16 mm), Rm 360–510 MPa; KV ≥ 27 J @ -20 °C (J2).
  • S355J2+N: C ≤ 0,20 %, Mn ≤ 1,60 %; ReH ≥ 355 MPa (≤16 mm), Rm 470–630 MPa; KV ≥ 27 J @ –20 °C.
  • S355J2C+N: wie S355J2+N, C=verbesserte Kaltumformbarkeit.
  • S355NL: C ≤ 0,18–0,20 %; ReH ≥ 355 MPa (≤16 mm), Rm ~ 450–630 MPa; KV –50 °C ≥ 27 J.
  • S460NL: C ≤ 0,20 %, Mn 1,00–1,70 %; ReH ≥ 460 MPa (≤16 mm), Rm ~ 540–720 MPa; KV –50 °C ≥ 27 J .

6) Branchen & Anwendungsbeispiele (DB‑relevant)

  • Eisenbahnbrücken / DB‑Ingenieurbau: Haupt- und Nebentragglieder, Quer-/Längsträger, Kopfplatten, Knotenbleche, Steifen, Riegel, orthotrope Platten; S355J2+N/S355NL als Standard, S460NL für gewichtsoptimierte Hochbeanspruchung.
  • Straßenbrücken / ZTV‑ING: Anwendung paralleler Regeln, 3.2‑Zeugnis gefordert.
  • Aussteifungen & Anschlussdetails: S355J2C+N bei höheren Abkantanforderungen.

7) Verarbeitung & Qualitätssicherung

  • Brennen/Schweißen
    • CEV & Dicke beachten; Vorwärmkonzept, Wärmeeintrag & Zwischenlagentemperaturen projektbezogen festlegen. (DB fordert Härtebegrenzung und SEP 1390‑Aufschweißbiegeversuch für S355J2+N > 30 mm.)
  • UT & Z‑Güte
    • UT nach EN 10160 (S3/E4); Z‑Anforderungen nach EN 10164 (Z35) für dicke Platten bzw. über DBS‑Grenzen hinaus.
  • Abnahmen
    • 3.1 standardmäßig; 3.2 je nach Auftraggeberregel (ZTV‑ING/Projekt).
  • Hersteller
    • Nur HPQ‑qualifizierte Werke; Beispiele und gültige HPQ‑Urkunden sind öffentlich einsehbar.

8) Auswahlhilfe nach Einsatzprofil

  • Kosteneffiziente Standardbauteile (ohne Tieftemperatur): S355J2+N (J2 = –20 °C).
  • Kalte Standorte / tiefe Anrisssicherheit: S355NL (–50 °C), ggf. mit Z35 & höherer UT‑Stufe.
  • Gewichtsoptimierte Hochfest‑Tragglieder: S460NL (ReH ≥ 460 MPa, –50 °C).
  • Bauteile mit starker Umformung (Kanten/Rollen): S355J2C+N.

Lagerprogramm & Lieferformate

Dicken: 6–150 mm, Breiten: bis 4.000 mm, Längen: bis 16.000 mm. 

Auch in Zwischendicken verfügbar. Sonderabmessungen auf Anfrage. 

Häufige Fragen (FAQ)

Gilt die DBS 918 002‑02 auch außerhalb des DB‑Brückenbaus?

Primär ja für DB‑Eisenbahnbrücken (Ril 804). Für Nicht‑DB‑Bauwerke kann sie vertraglich vereinbart werden; ZTV‑ING verweist seit 2013 explizit auf die jeweils gültige DBS‑Ausgabe.


Warum ist „JR“ nicht mehr zulässig?

Die neue DBS verlangt höhere Zähigkeit (mind. J0/J2 bzw. NL/ML), um Tieftemperatur‑ und Betriebsbelastungen sicher zu beherrschen.


Brauche ich immer 3.2‑Zeugnisse?

Nicht zwingend in allen DB‑Fällen. Bei ZTV‑ING (Bundesstraßenbrücken) werden 3.2 regelmäßig gefordert; viele Lagerplatten für DB‑Brücken werden optional auch mit 3.2 bevorratet.


Welche Hersteller sind zugelassen?

Nur HPQ‑qualifizierte Werke. Beispiele: Ilsenburger Grobblech, voestalpine, VÍTKOVICE, SSAB, Dillinger Hütte – jeweils mit HPQ‑Urkunden und Gültigkeiten.


Welche zusätzlichen Prüfungen fordert die DBS gegenüber EN?

U. a. UT‑S3/E4 nach EN 10160, Z35‑Güte nach EN 10164, Aufschweißbiegeversuch SEP 1390 (S355J2+N > 30 mm), Einzelprüfungen je Tafel/Coil .


Wie ist die aktuelle Ausgabe/Übergangsfrist?

Neueste Ausgabe gilt seit 01.12.2025, Übergangsphase bis 01.06.2026 (abhängig vom Projekt)

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