Schiffbaustahl Grade D – ASTM A131


Einleitung & Positionierung

Schiffbaustahl Grade D nach ASTM A131 ist eine Normalfestigkeitsgüte mit verifizierter Zähigkeit bei −20 °C und damit die logische Wahl für Bauteilzonen, die zyklischer Stoßbelastung, niedrigen Umgebungstemperaturen und bewegungsinduzierten Spannungen ausgesetzt sind. Mit ReH ≥ 235 MPa und Rm ~ 400–520 MPa liefert Grade D die vertraute Basisfestigkeit, ergänzt um einen robusten Tieftemperaturnachweis. In Neubauten wird Grade D bevorzugt in Außenhautbereichen kälterer Fahrtgebiete, Bugsektionen, eisnahen Revieren sowie in dynamisch höher beanspruchten Sekundärstrukturen eingesetzt.

Normen, Regeln & Zertifizierung

Primär gilt ASTM A131/A131M. Projektseitig sind die Regeln der Klassifikationsgesellschaften maßgeblich: DNV – Rules for Classification, Part 2, Ch. 2, Lloyd’s Register – Rules for the Manufacture, Testing and Certification of Materials, Bureau Veritas – NR467 sowie ABS – Rules for Materials & Welding. Beschaffungsseitig üblich sind EN 10204‑3.1/3.2‑Zeugnisse; Art und Umfang richten sich nach Bauvertrag, Lage des Bauteils und Klassifikationsanforderungen..

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Werkstoffkonzept, Chemie & Schweißeignung

Die chemische Auslegung entspricht der Normalfestigkeitsfamilie (typisch C ≤ 0,21 %, Mn ~ 0,7–1,6 %, P/S ≤ 0,035 %, Si ≤ 0,50 %). Der niedrige Kohlenstoffäquivalent‑Wert (CEV) sorgt für gute Schweißeignung und kalkulierbare Vorwärmstrategien. Für dicke Bleche und restriktive Nahtgeometrien empfiehlt sich ein WPS mit kontrollierter Wärmeeinbringung und Interpass‑Grenzen (≈ ≤ 150–175 °C), um Grobkornzonen zu vermeiden und die geforderte Charpy‑V‑Zähigkeit bei −20 °C sicherzustellen.

Mechanik & Zähigkeit

  • Streckgrenze ReH: ≥ 235 MPa
  • Zugfestigkeit Rm: ~ 400–520 MPa
  • Bruchdehnung: typ. ≥ 20–22 % (dickenabhängig)
  • Charpy‑V (CVN): verpflichtend bei −20 °C; Mindestenergien gemäß Klassregel und Dicke.

Damit eignet sich Grade D für nordatlantische Fahrt, harsche Winterbedingungen, exponierte Außenhautsegmente und stoßrelevante Bereiche (z. B. Ankerklüsenumfeld, Vorschiff).

Lieferzustände & Wärmebehandlung

  • AR – As Rolled: Standard für dünn‑ bis mitteldickes Material.
  • CR – Controlled Rolled: verbessert Zähigkeit und Streuung.
  • N – Normalized: empfohlen bei großen Dicken, strengen Zähigkeitsanforderungen oder nach Klassenauflage.
  • TMCP – Thermo‑Mechanically Controlled Processing: (herstellerabhängig) für ausgezeichnete Tieftemperaturzähigkeit und Formhaltigkeit bei reduzierten Vorwärmtemperaturen.

Verarbeitung, Prüfung & Qualitätssicherung

Für MAG/MIG‑Prozesse sind G3Si1/ER70S‑6 und für Handlichtbogen E7018 bewährt. Empfehlenswert sind: sorgfältige Kantenpräparation, trockene Zusatzwerkstoffe (Feuchteführung), Interpass‑Kontrolle, moderater Wärmeeintrag sowie nach Nahtlage ggf. UT nach EN 10160. Die Werk‑ und Klassen‑Dokumentation (Kennzeichnung, Heat‑Nr., 3.1/3.2, Rückverfolgbarkeit) ist vollständig vorzuhalten.

Anwendungen & Beispiele

  • Bug‑/Vorschiffszonen, Außenhaut in kälteren Fahrtgebieten
  • Quer‑/Längsversteifungen in stoßrelevanten Sektionen
  • Doppelbodenbereiche mit tieferen Betriebstemperaturen
  • Schotten, Tanks, Plattformen in nordischen Routen
  • Reparaturen an Rumpfsektionen für Winterbetrieb

Vorteile, Grenzen & Alternativen

Vorteile: verifizierte Zähigkeit bei −20°C, gute Schweißeignung, weltweite Verfügbarkeit, klar definierte Prüfanforderungen.

Grenzen: nicht für extreme Polargebiete ausgelegt; bei sehr hochdynamischen Lasten ggf. höherfeste Güten sinnvoll.

Alternativen: GradeE (40°C) für polarere Reviere; AH/DH36 bei gleicher Temperaturklasse mit höherer Festigkeit.

FAQ – Projektpraxis

Reicht Grade D für Ostsee‑Winter?

In vielen Fällen ja; bei extremen Kälteereignissen oder eisnahen Fahrten kann E sinnvoll sein.


Ist TMCP Pflicht?

Nein, aber TMCP erleichtert Zähigkeitsziele bei großen Dicken und reduziert Vorwärmbedarf.


Welche Abnahme?

Neubau häufig 3.2, Reparatur oft 3.1 – abhängig von Klasse und Bauteilposition.

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