Schiffbaustahl FH36 – ASTM A131
Einleitung & Positionierung
Schiffbaustahl FH36 gemäß ASTM A131 ist die leistungsfähigste höherfeste Schiffbaugüte der 36‑MPa‑Serie. Er kombiniert eine hohe Mindeststreckgrenze von 355 MPa mit einer extremenKerbschlagzähigkeit bei −60 °C – der tiefsten Temperaturklasse, die innerhalb der konventionellen hochfesten Schiffbaustähle gefordert wird. Diese außergewöhnliche Tieftemperatur‑Duktilität macht FH36 zum bevorzugten Werkstoff für anspruchsvollste polare und arktische Einsatzgebiete, in denen Werkstoffe gleichzeitig hohen statischen, zyklischen und stoßartigen Beanspruchungen ausgesetzt sind.
FH36 wird vor allem in Eisklassen‑Schiffen, Polarforschungsschiffen, Eisbrechern, LNG‑Transportern, Offshore‑Strukturen sowie allen Einheiten eingesetzt, die dauerhaft in Regionen unter −40 °C operieren. In der maritimen Sicherheitstechnik gilt FH36 als kritische Güte für Strukturen, die unter extremen seegangs‑, kollisions‑ oder eisinduzierten Lasten funktionsfähig bleiben müssen.
Normen, Klassregeln & Zertifizierung
FH36 ist weltweit klassifiziert und normativ verankert:
- ASTM A131/A131M – Primärnorm für chemische Zusammensetzung und Mechanik
- DNV – Rules for Classification, Part 2, Chapter 2 – Kategorie: High Strength Steel (HS) F‑Klasse
- Lloyd’s Register – Rules for Materials – Zähigkeitsklasse F
- Bureau Veritas – NR467 – FH‑Güte für polare Einsatzbereiche
- ABS – Rules for Materials & Welding – FH36 vollständig anerkannt
Für Neubauprojekte ist EN 10204 – 3.2 Standard, einschließlich Zeugnissen der Klassifikationsgesellschaften. Reparaturarbeiten können, je nach Zone, auch mit 3.1 erfolgen.
Laden Sie sich hier das Lieferprogramm herunter:
Chemische Charakteristik & Metallurgie
FH36 basiert auf einer mikrolegierten, niedrigkohlenstoffhaltigen Grundanalyse mit gezielter Kornfeinung, um die extremen Tieftemperaturanforderungen zu erfüllen:
- C ≤ 0,18 %
- Mn 0,9–1,6 %
- Si 0,1–0,5 %
- P/S ≤ 0,035 %
- Mikrolegierungen: Nb, V, Ti, häufig auch Ni zur Verbesserung der Tiefschlagzähigkeit
Der mikrolegierte Ansatz erzeugt – insbesondere bei TMCP‑Fertigung – ein extrem feinkörniges Gefüge mit hoher Risswiderstandsfähigkeit und enormer Duktilität selbst bei subarktischen Temperaturen.
Mechanische Eigenschaften & Zähigkeit (Mindestwerte)
- Streckgrenze ReH: ≥ 355 MPa
- Zugfestigkeit Rm: 490–620 MPa
- Bruchdehnung A: ≥ 21 %
- Charpy‑V (CVN): verpflichtend bei −60 °C (Werte abhängig von Dicke & Klassvorgaben)
FH36 ist damit die einzige Güte der 36‑MPa‑Serie, die speziell für Extremkälte konstruiert wurde. Die geforderte Zähigkeit bei −60 °C garantiert hohe Sicherheit gegen Sprödbruch selbst bei eisinduzierten Stoßlasten.
Lieferzustände & Wärmebehandlung
FH36 wird üblicherweise in folgenden Zuständen geliefert:
- TMCP (Thermo‑Mechanically Controlled Processing) – Standardzustand mit maximaler Tieftemperaturzähigkeit
- N – Normalized – für dicke Querschnitte oder erhöhte Homogenität
- Q+T (Quenched + Tempered) – nur in Ausnahmefällen mit expliziter Klass- und Projektfreigabe (nicht Standard nach ASTM A131)
TMCP‑FH36 ist weltweit die bevorzugte Wahl, da es optimale mechanische Eigenschaften bei gleichzeitig exzellenter Schweißbarkeit ermöglicht.
Schweißen, Verarbeitung & Qualitätssicherung
Beim Schweißen von FH36 ist wegen der extremen Tieftemperaturanforderungen höchste Sorgfalt notwendig.
Empfohlene Schweißzusatzwerkstoffe:
- MAG/MIG: G4Si1 / ER70S‑6 (Standard)
- für polare Anwendungen: Ni‑legierte Drähte für verbesserte Zähigkeit
- SMAW: E7018 (Niedrigwasserstoff, trocken gebacken)
Wesentliche Anforderungen:
- Interpass‑Temperatur: ≤ 150 °C
- Vorwärmung: abhängig von Dicke, Umgebungstemperatur, Wasserstoffgehalt
- striktesWasserstoffmanagement(trockene Elektroden, beheizte Magazine)
- UT/MT/PT nach Klassvorgaben (z. B. EN 10160)
Typische Anwendungen & Branchen
FH36 wird eingesetzt in:
- Eisbrechern & Polarforschungsschiffen
- Eisklassen‑Schiffen (PC1–PC5)
- Offshore‑Plattformstrukturen in polaren Regionen
- LNG/LPG‑Schiffen mit tiefkalten Verflüssigungstemperaturen
- Arktischen Marineschiffen & Küstenschutzflotten
- Strukturen unter extremer zyklischer Kältebelastung
Vorteile, Grenzen & Alternativen
Vorteile:
- höchste Tieftemperaturzähigkeit der 36‑MPa‑Serie (−60 °C)
- maximale Sicherheit gegen Sprödbruch bei eisinduzierten Belastungen
- hervorragende Schweißeignung (insbesondere im TMCP‑Zustand)
- weltweit anerkannt in allen Regelwerken der Klassifikationsgesellschaften
Grenzen:
Alternativen:
- EH36 (−40 °C) – wenn −60 °C nicht erforderlich ist
- Spezielle Nickelstähle – für Temperaturen unter −60 °C
FAQ – Projektpraxis
Wann wird EH36 benötigt?
Immer dann, wenn Bauteile bei −40 °C zuverlässig duktil bleiben müssen.
Welche Wärmebehandlung ist optimal?
TMCP für beste Zähigkeit & Schweißeignung.
Kann EH36 mit AH36/DH36 kombiniert werden?
Ja – üblich in Mischkonstruktionen (z. B. EH36 für Bugzonen, AH36 für zentrale Sektionen).

„Kontakt“
Haben Sie Fragen zur Werkstoffauswahl oder zu unseren Anarbeitungsmöglichkeiten?
Unser Team erstellt Ihnen ein individuelles Angebot inklusive Anarbeitung.








